Die Geschichte beginnt 1886 in München. Die Gründer Otto Luppe und Milton Douglas Heilbronner entwickeln ein Verfahren, mit dem Messingbleche chemisch geätzt und kunstvoll veredelt werden. Es entstehen hochwertige Oberflächen mit filigranen Mustern, die an Intarsien erinnern – eine außergewöhnliche Verbindung aus technischem Know-how und handwerklicher Präzision.
Die gefertigten Produkte finden schnell Anklang. Rauchservice, Dosen, Zigarrenkästchen und viele weitere dekorative Metallobjekte stehen für höchste Qualität und machen das Unternehmen schon früh überregional bekannt.
Was viele überrascht: Bei seiner Gründung hieß das Unternehmen noch gar nicht Demmel. 1886 entstand die Firma unter dem Namen Luppe & Heilbronner. Erst viele Jahre später kreuzten sich die Wege mit einer zweiten Münchner Firma. 1907 gründete Sebastian Demmel eine kleine Werkstatt zur Herstellung von Tür- und Industrieschildern. Aus dem regionalen Handwerksbetrieb entwickelte sich ein erfolgreicher Hersteller industrieller Kennzeichnungslösungen.
1954 übernahmen die Inhaber der S. Demmel OHG, Carl Demmel und Eugen Holderried, die Metallätzerei in Scheidegg. Damit wurden zwei traditionsreiche Unternehmen zu einer gemeinsamen Geschichte. Der Name Demmel steht deshalb nicht am Anfang unserer Unternehmensgeschichte – sondern ist das Ergebnis ihrer Weiterentwicklung.
Bereits wenige Jahre nach der Gründung entwickelt sich das Unternehmen weit über München hinaus. Verkaufsbüros entstehen unter anderem in Prag, Petersburg, Brüssel, Paris und London. Die Produkte werden auf internationalen Ausstellungen ausgezeichnet und finden Kunden weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.
Ein besonderes Beispiel dafür ist eine kunstvoll gefertigte Dose von Luppe & Heilbronner, die um 1900 speziell für den französischen Markt hergestellt wurde. Sie zeigt eindrucksvoll, dass Design, Qualität und Präzision schon damals internationale Anerkennung fanden.
Internationalität ist für die DEMMEL AG deshalb keine Entwicklung der letzten Jahrzehnte – sie gehört seit den Anfängen zur Unternehmensgeschichte.
Die Geschichte der DEMMEL AG verlief nicht geradlinig. Zwei Weltkriege, Inflation und wirtschaftliche Krisen stellten das Unternehmen immer wieder vor große Herausforderungen.
Besonders einschneidend war das Jahr 1942. Das Werk in der Birkenleiten in München wurde bei einem Bombenangriff nahezu vollständig zerstört. Die Produktion musste nach Pförring an der Donau verlagert werden. Trotz schwierigster Bedingungen gelang es, den Betrieb aufrechtzuerhalten und den Grundstein für den späteren Wiederaufbau zu legen. Diese Fähigkeit, sich immer wieder neu aufzustellen, prägt das Unternehmen bis heute.
Nach der Übernahme des Standorts Scheidegg im Jahr 1954 begann eine außergewöhnliche Phase der Unternehmensgeschichte.
Jeden Freitag machte sich ein kleiner Tempo-Matador mit 34 PS auf den Weg von München nach Scheidegg. Beladen mit Rohmaterialien, Zuschnitten, Hilfsstoffen und neuen Aufträgen benötigte er vier bis fünf Stunden über Landstraßen und durch zahlreiche Dörfer.
Diese regelmäßigen Fahrten waren weit mehr als reine Transporte. Sie sorgten dafür, dass die Produktion in Scheidegg überhaupt weiterlaufen konnte und wurden zum Symbol für Zusammenhalt, Pragmatismus und den gemeinsamen Willen, das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen.
1956 beginnt ein weiteres außergewöhnliches Kapitel. Dr. Paul Holderried, Sohn von Eugen Holderried sen., stammt aus der Unternehmerfamilie und arbeitet zu diesem Zeitpunkt als Tierarzt in Hagnau am Bodensee. Als sich zeigt, dass der eingesetzte Geschäftsführer den Standort Scheidegg nicht erfolgreich führen kann, entscheidet er sich für einen mutigen Schritt.
Mit 53 Jahren gibt er seinen Beruf auf und übernimmt als Geschäftsführer die Verantwortung für den Standort Scheidegg. Unter seiner Leitung werden Strukturen aufgebaut, Prozesse verbessert und die Grundlage für die weitere Entwicklung geschaffen. Originale RAL-Farbtonkarten aus dieser Zeit erinnern heute daran, mit welcher Präzision bereits damals gearbeitet wurde.
In den 1970er-Jahren entwickelt sich das Unternehmen konsequent weiter. Neue Verfahren wie der Siebdruck sowie innovative Produkte wie DURASET erweitern das Leistungsspektrum erheblich. Ein erhaltenes Schilderhandbuch mit originalen Material- und Farbmustern dokumentiert eindrucksvoll den technischen Fortschritt dieser Zeit.
1986 folgt der Einstieg in die Automobilindustrie mit den ersten thermoverpressten Radkappenplaketten für BMW – ein wichtiger Meilenstein für die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens.
Nur drei Jahre später beginnt mit der Gründung der Dyna Systems GmbH ein weiteres Kapitel. Der Einstieg in die Entwicklung und Fertigung von Human Machine Interfaces (HMI) bildet die Grundlage für zahlreiche Technologien, die das Unternehmen bis heute prägen.
Die Geschichte der DEMMEL AG ist geprägt von Innovationskraft, unternehmerischem Mut und Menschen, die Verantwortung übernommen haben.
Aus einer kleinen Metallätzerei entwickelte sich über vier Generationen ein international tätiges Technologieunternehmen. Vieles hat sich verändert – geblieben sind der Anspruch an Qualität, Präzision und die Leidenschaft, aus Ideen innovative Produkte entstehen zu lassen.
Mit unserer DEMMEL ARCHIVE-Serie möchten wir diese Geschichte bewahren und gleichzeitig zeigen, dass die Zukunft immer auf den Erfahrungen der Vergangenheit aufbaut.